Eintrag-Details: Red Planet

22.04.08

Permalink 14:44:15, von tastenmeister Email , 1215 Wörter, 195 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Science-Fiction, Action, Marstrilogie

Red Planet

Der rote Planet Teil II

Red Planet (2000) bereitet den ersten bemannten Flug zum Mars im Stil des Hollywoodkinos auf. Entsprechend dringlicher wird der Grund für die Marsmission dargestellt: Ab dem Jahr 2000 nehmen Überbevölkerung und Verschmutzung signifikant zu, 2025 zeichnet sich schließlich eine Lösung ab: Die Marsatmosphäre soll durch Algen verändert und für den Menschen verträglich gemacht werden.
2050: Die Instrumente auf dem Mars indizieren allerdings einen sinkenden Sauerstoffgehalt, so dass eine bemannte Mission mit den Crewmitgliedern Captain Kate Bowman (Carrie-Anne Moss), Mechaniker Rob Gallagher (Val Kilmer), Pilot Ted Santen (Benjamin Bratt), den Wissenschaftlern Burchenal (Tom Sizemore), Chantilas (Terence Stamp) und Pettengill (Simon Baker), sowie dem Forschungs- und Kampfroboter AMEE (eine Leihgabe des Militärs) losgeschickt wird, diesen Umstand zu überprüfen.

Zwar dringt der Film erwartungsgemäß tiefer in Science-Fiction-Gefilde vor, als der pädagogische Erster auf dem Mars, beinhaltet aber nichtsdestotrotz zahlreiche Annahmen, die auf wissenschaftlichen Kenntnissen beruhen: So startet das Raumschiff „Mars One“ von einer Orbitalstation und die Reise zum Mars dauert etwa 6 Monate. Die Reise wird jedoch stark gerafft, die psychologische Komponente einer Reise auf engem Raum wird untergeordnet. Etwas pflichtgemäß wird eine anthroplogische Debatte zwischen Chantilas und Gallagher eingeflochten: Der gläubige Chantilas erläutert, dass er durchaus einen Sinn in der Rettung der Menschheit sieht, denn mit ihr würden auch alle kulturellen Errungenschaften verloren gehen.
Künstliche Schwerkraft auf der Mars One wird wie auch bei Erster auf dem Mars ebenfalls durch Rotation erzeugt, allerdings wird dies nicht explizit erläutert (in Erster auf dem Mars geschieht dies in einen Beitrag der Crew für eine Schulklasse). Ebenso Science ist die zeitverzögerten Kommunikation zur Basis. Die Sonneneruption, welche die Mars One schließlich schwer beschädigt, ist zwar im Grunde ebenfalls ein Phänomen mit dem sich eine tatsächliche Marsmission auseinandersetzen müsste, hier beginnt allerdings auch der Actionfilm: Die Mannschaft bis auf Bowman muss übereilt den Flug zum Mars antreten, Probleme mit dem Shuttle verkomplizieren die Lage zusätzlich. Es kommt zu einer Bruchlandung, bei der der Philosoph Chantilas ums Leben kommt. Bowman ist derweil damit beschäftig die der zahlreichen Feuer auf der Mars One zu löschen, was ihr schließlich durch das Ablassen der Atmosphäre in den Weltraum gelingt.
Die Überlebenden schlagen sich zum bereits auf der Marsoberfläche installierten Habitat durch und finden dieses zerstört vor. In der sicheren Annahme, dass das ihren Tod bedeutet, bereiten sie sich auf diesen vor; die Nahtoderfahrung ist eine der wenigen psychologisch ausgeklügelten Sequenzen des Films.
Zwischen Pettengil und Santen, die am Rande einer Schlucht stehen, kommt es zu einer Auseinandersatzung, während der Santen Pettengil provoziert, so dass dieser ihn in die Schlucht stürzt, dies aber den Anderen verheimlicht. Die verbliebenen Drei finden heraus, dass – obwohl keine Algen vorhanden sind – Atmen möglich ist; angesichts dessen gewinnen der Tod von Chantilas und Santen eine tragische Komponente.
Kaum ist dieser erste Plotpoint überwunden taucht die nächste Gefahr auf: AMEE wurde bei der Bruchlandung beschädigt und hält die Crew für Feinde und attackiert diese nach Guerillataktik. Bowman bangt um die Crew, da keine Verbindung mehr besteht und leidet außerdem unter der verzögerten Kommunikation mit der Basis, die sie deshalb kaum bei der Krisenlösung unterstützen kann. Gallagher gelingt es aus den Überresten des Habitats ein Funkgerät zu basteln, mit dem sie Kontakt zum Raumschiff aufnehmen. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, bis die Astronauten in letzter Minute feststellen, dass trotz Abstinenz der Algen rätselhafterweise eine für Menschen verträgliche Atmosphäre vorherrscht.
Bowman kann der Mannschaft von der Mars One einen Ausweg aus der aussichtslosen Situation aufzeigen: Die Astronauten müssen zu einer alten russischen Sonde in 100 Meilen Entfernung, in der allerdings nur 2 von ihnen Platz finden. Sie geraten auf der Wanderung jedoch in einen Eissturm. Pettengill findet heraus, dass die anderen beiden Astronauten eine Abneigung gegen ihn hegen und beschließt alleine zu fliehen, wird aber von AMEE getötet (was diese über die eingebauten Kameras an die anderen überträgt, um diese zu demotiveren). Burchnal und Gallagher finden den Toten und stellen fest, dass er von seltsamen Insekten befallen ist, die zudem leicht entzündlich sind. Spätestens hier erfolgt überdeutlich der Wechsel von der Science-Faction zur Science-Fiction, denn es sind diese Marsinsekten, die die Algen fressen und dadurch Sauerstoff produzieren. Sie haben auch das Habitat der Astronauten zerstört.
Da die Insekten auch schon Pettengills Leiche befallen hatten ist klar: Sie fressen alles, demnach auch Menschen. So befallen sie als nächstes den verletzten Burchnal, welcher sie entzündet um nicht bei lebendigem Leib gefressen zu werden. Gallgher erreicht als letzter Überlebender die russische Sonde, stellt aber fest, dass deren Batterie leer ist; so muss er erst AMEE besiegen, um mit deren Batterie die Sonde zu starten, was ihm auch gelingt, so dass er zur Mars One zurückkehren kann.

Der Film zeigt eine insgesamt recht fortschrittliche (Computer)Technologie, z. B. Spracherkennung, intelligente Kampfroboter, riesige Touchscreens, kompakte Raumanzüge, ist aber bestrebt einen realistischen Rahmen zu setzen. Lediglich die sauerstoffproduzierenden Insekten sprengen den Rahmen des Wissenschaftlichen; deren leichte Entflammbarkeit dient auch lediglich dazu einige schöne Spezialeffekte einzubringen. Im Unterschied zu Erster auf dem Mars ist Red Planet jedoch eine, wenn auch wenig erfolgreiche – Kosten von 75 Millionen Dollar stehen weltweit lediglich Einnahmen von ca. 30 Millionen Dollar gegenüber – Hollywoodproduktion, die kein wissenschaftlich fundiertes und tiefschürfendes Bild einer Marsexpedition liefern, sondern v. a. unterhalten will, was größtenteils auch gelingt.
Es ist bezeichnend, dass der Denker und Theologe Chantilas bereits früh ums Leben kommt; die Geisteswissenschaft ist das erste Opfer, Platz bleibt nur für die empirischen Naturwissenschaften. Dies ist umso verwunderlicher, da der weitere Plot im Gegensatz zur präsentierten Technologie maßgeblich von Wundern und Zufällen (ausfallende Technik, brennende Insekten, welche Sauerstoff produzieren und durchdrehende Roboter) bestimmt wird, für die eigentlich eher die phantasievollen Geisteswissenschaften zuständig sind.
Kritisch bewertet wird auch jene zivil genutzte militärische Spin-Of-Technologie in Form des Kampfroboters AMEE. Der Kampfroboter wendet sich aufgrund einer Fehlfunktion gegen den überforderten Gallagher; der Zauberlehrling wird mit den Geistern konfrontiert, die er rief: Militärische Technologie im zivilen Kontext kann sich stets als ungeeignet oder gefährlich erweisen.
Übrig bleibt ein Film mit einem gewissen wissenschaftlichen Anspruch, der aber nicht auf eine cineastische Fantasie verzichtet und sich somit zwischen den Stühlen positioniert. Im Fokus stehen dabei weniger die bei einer tatsächlichen Marsmission auftretenden zwischenmenschlichen Konflikte oder der Umgang mit der unwirtlichen Natur des Mars wie in Erster auf dem Mars, sondern hollywoodeske Dramaturgie und Spezialeffekte.
Eine Stufe weiter auf der Leiter der Fantastik geht Mission to Mars.

Cinepolitik

Sozialwissenschaftliche Kommentare, Analysen, Interpretationen und Essays zu Filmen/ Filmreihen und Serien, insbesondere Science-Fiction

September 2010
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