Auch Brian de Palmas Mission to Mars stellt – wie der Titel nahelegt – eine Marsmission in den Fokus der Geschichte. Der Film war dabei nur unwesentlich erfolgreicher als Red Planet und spielte über 100 Millionen Dollar bei Produktionskosten von 90 Millionen Dollar ein. Mission to Mars fokussiert gleichwohl wesentlich weniger auf die technische Seite, vielmehr erzählt er von menschlichen Emotionen und ein fantastisches Ende.
Die Handlung spielt im Jahre 2020 und setzt damit einen ähnlichen temporalen Rahmen wie Erster auf dem Mars und Red Planet. Gary Sinise spielt den Astronauten Jim McConnell, der ursprünglich nicht an der Mission teilnehmen soll, weil er mit dem Tod seiner Frau nicht zurecht kommt und als instabil gilt. Nachdem die erste Mannschaft, die erfolgreich den Mars erreichen konnte, beim Scannen eines Phänomens bis auf Luke Graham (Don Cheadle) in einer Art Wirbelsturm ums Leben kommt, wird McConnell unter Commander Woodrow „Woody“ Blake und dessen Frau Terri (Connie Nielsen), sowie dem Techniker Phil Ohlmyer (Jerry O'Connell) aber doch noch als Pilot eingesetzt.
Auf dem Flug zum Mars kommt es während der Probe des Landemanövers zu Meteoriteneinschlägen und die Crew muss die Schäden reparieren, übersieht dabei jedoch ein Leck an der Kraftstoffleitung. So kommt es beim Landeanflug auf den Mars zu einer Explosion, weshalb die Astronauten das Raumschiff verlassen müssen und versuchen ein im Orbit kreisendes Versorgungsmodul zu erreichen. Commander Blake kommt dabei ums Leben, nicht ohne dass sich zwischen ihm und seiner Frau Terri dramatische Momente abspielen: Da sie ihn gegen seinen Rat zu retten versucht begeht er Selbstmord.
Die überlebenden McConnell, Ohlymer und Terri Fisher können auf dem Mars landen und finden nahe der Basisstation drei Gräber der Verstorbenen der ersten Mission. Kurz darauf treffen Sie in der Station auf den beinahe wahnsinnigen Graham, der dank des Gewächshauses in der Basisstation überleben konnte.
Sie stellen fest, dass vom „Marsgesicht“[1] Audiosignale ausgehen, die zuerst nicht deuten können und finden aber schließlich heraus, dass es sich dabei um die Darstellung eines menschlichen Chromosomenstrangs handelt, der ein Segment fehlt. Sie vervollständigen die Helix und senden das Signal an das Marsgesicht, worauf sich dieses öffnet. Die Astronauten begeben sich ins weiß leuchtende Innere, dass sich nach kurzer Zeit als hochentwickelte technologische Umgebung offenbart.
Es erscheint ein holgrafisches Alien, welches eine Präsentation startet. Diese erzählt die Geschichte von deren Exodus: Nachdem der Mars durch einen Meteoriteneinschlag unbewohnbar geworden war, flohen die Bewohner und platzierten ihr Erbgut u. a. in den Meeren der Erde, woraus letztlich die Menschheit hervorging – die Menschen sind also deren Schöpfung, deren Nachkommen. Das Gesicht wurde als Zeichen an die Menschen zurückgelassen, als Anreiz nachzuforschen. Außerdem haben sie ein Raumschiff zurückgelassen, mit welchem McConnell seinen Traum erfüllt und mit diesem den Aliens zu deren neuem Lebensraum folgt.
Mission to Mars erzählt mehrere Geschichten: Zum einen das „Drama des Lebens“, eine Sinuswelle von Scheitern und Gelingen, wobei die Wellen der verschiedenen Charaktere antagonistisch verlaufen. Jim McConnell, der den Tod der eigenen Frau nicht verwinden kann, Alkoholismus und Depressionen verfällt, schließlich die Chance erhält sich zu beweisen und schlussendlich seinen Lebenstraum erfüllen kann. Terri hingegen kann zusammen mit ihrem Mann auf große Reise gehen, muss dann aber lernen, trotz dessen Tod ihre Professionalität zu wahren. Teil diese Soap-Opera-haften Elements ist auch der heroische Tod von Terris Mann. Der Mittelteil des Films besteht vornehmlich aus zahlreichen Actionsequenzen.
Mittel- und Schwerpunkt des Films ist zum anderen der philosophisch-theologische Schluss, der in Tradition von Werken wie Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum (1968) oder dem nach Lem verfilmten Solaris (1972). Er liefert nicht nur eine zumindest mittelfristig befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Ursprung der Menschheit, sondern auch auf die Frage, ob es abseits der Erde intelligentes Leben im Universum gibt. Der Film beantwortet die Frage vordergründig darwinistisch und erteilt theologischen Modellen eine Absage; die amorphe, weiß strahlende Gestalt des Aliens lässt sich hingegen durchaus als göttliche Erscheinung deuten und bietet damit ein Erklärungsmuster, dass den Film auch eher christlich-konservativen US-Kreisen schmackhaft macht.
Letztlich hebt sich dem Film gerade mit dem Schluss von Red Planet und Erster auf dem Mars ab. Diese geistige Komponente, sowie die Kombination aus Action und Drama drängen jedoch politische Bestandteile in den Hintergrund: Wo Red Planet an bestimmten Stellen kritisches Potenzial zeigt und Erster auf dem Mars bemüht ist die politischen Dimensionen einer solchen Mission zu berücksichtigen, platziert sich Mission to Mars außerhalb eines solchen Anspruchs. Die moralische Botschaft ist ein Appell an die Bescheidenheit des Menschen und eine Demut gegenüber der Schöpfung und interstellaren Umwelt. Auch dies sind im Kern politische Botschaften, aber im Vergleich zu den anderen hier besprochenen Filmen eher abstrakter Natur.
Die Fabeln differieren erheblich: Erster auf dem Mars verfolgt das pädagogische Konzept, eine Reise zum Mars wissenschaftlich korrekt wiederzugeben und zu erläutern, Red Planet ist unterhaltsames Action Kino mit einem gewissen Realitätsanspruch und latent kritischen Momenten und Mission to Mars versucht mit philosophischen Erklärungsmustern Tiefgang zu schaffen, was allerdings nur partiell gelingt.
[1] Hierbei handelt es sich um einen Berg auf der Marsoberfläche, der im Juli 1976 von der Orbiter 1-Sonde der Viking-Mission in der Cydonia-Region aufgenommen wurde und welcher menschliche Gesichtszüge zu haben scheint. Dies führte zu zahlreichen Spekulationen, welche erst 2001 – also kurz nach Erscheinen des Films – durch die Mission Mars Global Surveyor und deren Aufnahmen beendet werden konnten: Das „Marsgesicht“ ist eine Formation natürlichen Ursprungs.
Sozialwissenschaftliche Kommentare, Analysen, Interpretationen und Essays zu Filmen/ Filmreihen und Serien, insbesondere Science-Fiction
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