Eintrag-Details: Erster auf dem Mars/ Race to Mars

19.02.08

Permalink 12:20:44, von tastenmeister Email , 1540 Wörter, 213 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Science-Fiction, Marstrilogie

Erster auf dem Mars/ Race to Mars

Der rote Planet Teil I

Im Grunde handelt es sich bei dem Film von 2006, der eine im Jahre 2030 stattfindende Expedition zum Mars auf wissenschaftlicher Grundlage aufbereitet, um ein Kammerspiel, aufgepeppt mit CGI-Sequenzen. Zwar wird auch die technische Seite eines solchen Unterfangens gezeigt, im Fokus sind jedoch die internationale 6-köpfige Crew, bestehend aus dem amerikanischen Commander Rick Erwin (Michael Riley), dem russischen Kopiloten Mikhail Cerenkov (Frank Schorpion), dem französischen Ingenieur Antoine Hébert (Lothaire Bluteau), der kanadischen Ingenieurin Jackie Decelles (Claudia Ferri), der spanischen Boardärztin Lucia Alarcon (Claudia Ferri), dem japanischen Biologen Hiromi Okuda (Kevan Ohtsji) und die psychologischen Konsequenzen.

Auf dem Hinflug steht eine Auseinandersetzung zwischen Antoine und Mikhail im Fokus, die durch zahlreiche Pannen verstärkt wird; Antoine wirft Mikhail vor nicht gewissenhaft zu arbeiten und hadert mit seiner Außenseiterrolle, da er im Gegensatz zu Mikhail (welchen Rick persönlich kennt) nicht Ricks erste Wahl war. Ein schwerwiegender Defekt zwingt die Crew einen der Versorgungsarme abzusprengen, sie erfährt zudem, dass ein chinesischer Roboter erfolgreich auf dem Mars landen konnte, was die Stimmung zusätzlich dämpft. Die Bodenkontrolle findet heraus, dass der Zulieferer Schuld an den Pannen trägt, da dieser die Module aufgrund des Zeitplans keiner Endkontrolle unterzogen hat und rät von einer Landung auf dem Mars ab – die Mannschaft wagt es trotzdem und hat Erfolg.
Entgegen den Wünschen der PR-Abteilung unternimmt die Crew Hand in Hand einen gemeinsamen ersten Schritt auf den Mars und nimmt die Untersuchung des Planeten auf. Hiromi wird verletzt und kann nur leichte Arbeit im Inneren der Station verrichten. Dass die chinesische Sonde zuerst auf Wasser stößt, zügelt zwar die Ambitionen, da deren Ergebnisse aber nicht vollständig sind, arbeitet die Mannschaft weiter. Schließlich ist das Material aufgebracht ohne das Ziel erreicht zu haben, so dass die Crew an die Staatsoberhäupter appelliert, nationale Differenzen ruhen zu lassen und die mittlerweile ebenfalls defekte chinesische Sonde als Ersatzteillager nutzen zu dürfen; dies wird ihnen gewährt. Sie haben Erfolg und stoßen auf Wasser. Dabei kommt es zu einem Unfall, bei dem der gerade eben genesene Hiromi getötet wird.
Bedrückt macht sich die Crew auf den Rückflug und muss als erstes das gesamt Raumschiff vom Schimmel befreien. Während des Rückflugs macht den Astronauten nicht nur Technik, sondern auch der Gesundheitszustand zu schaffen; als auch mehrere Gesundheits- und Systemchecks zu keinem Ergebnis führen, will Ärztin Lucia die Marsproben öffnen, um zu überprüfen, ob Marsbakterien, der Auslöser der Erkrankung sind, was zur Folge hätte, dass die Astronauten nach der Landung u. U. lebenslang in Quarantäne müssten. Rick entscheidet deshalb dies nicht zu tun, was ihm massive Kritik einbringt, die beinahe in einer Meuterei gipfelt. Gerade noch rechtzeitig – Mikhail ist bereits kollabiert – wird festegestellt, dass wieder einmal die Technik schuld ist: Das System liefert keine Informationen über Fehlfunktionen mehr, so dass das Klimasystem unbemerkt zuviel Kohlenmonoxid emittiert und die Crew vergiftet hat. Kurz vor erreichen der Erde stellt man auf der Terra Nova ein schwerwiegendes Problem fest: Der Nuklearantrieb, der das Raumschiff in der Erdatmosphäre bremsen soll, ist nicht funktionsfähig. Rick und Antoine nehmen die Reparatur vor, die aufgrund der radiaktiven Strahlung nicht ungefährlich ist. Antoine wird verletzt, kann jedoch von Rick gerettet werden. Der Außenseiter Antoine kann sich mit der erfolgreichen Reparatur den Respekt der Mannschaft und besonders von Rick verdienen. Einer erfolgreichen Rückkehr steht nichts mehr im Wege.

Man merkt Erster auf dem Mars zu jeder Zeit seine pädagogischen Bemühungen an: Selbst die Zusammensetzung der Crew geschah nach wissenschaftlichen Kriterien (so klärt einen die zugehörige sechsteilige Dokumentation auf): Ein Frauenanteil verbessert das Klima an Bord und die multinationale Zusammensetzung verhindert nationale Egoismen. Selbst der vermeintliche eigennützige Vorreiter China, dessen Sonde bereits vor der Mannschaft der Terra Nova auf dem Mars landen kann, überlässt später Teile seiner Bohrvorrichtung der Crew, damit deren Bohrungen vorangetrieben werden können, ähnlich der sowjetisch-amerikanischen Annäherungen in den 70ern. Der Film ist somit merklich vom 20. Jahrhundert (und dessen Klischees) geprägt: Ein neuer Kalter Krieg mit einem erstarkten China, Phasen der Annäherung, eine russisch-amerikanische Zusammenarbeit, die Vergleiche mit der Mondlandungen und den Apollo-Missionen.
Schwerpunkt des Films bilden die Probleme einer Mannschaft für 583 Tage auf engstem Raum eingezwängt zu sein. Dies wird in der zugehörigen Dokumentation erläutert (für die zahlreiche Sequenzen aus Erster auf dem Mars verwendet werden), in der Raumfahrtexperten ausführen, wie wichtig die Auswahl der Astronauten für das Gelingen der Mission ist. So zeigt sich bei der Reparatur des Nukleartriebwerks, dass der Außenseiter Antoine die perfekte Ergänzung war. Darüber hinaus bietet der Film viele wissenschaftlich Fakten: Die Flugroute zum Mars, die Konstruktion der Terra Nova und mögliche technische Schwierigkeiten, die Situation auf der Marsoberfläche, die Komplikationen auf Hin- und Rückflug, die Angst vor Marsbakterien etc..
Zwar gehen Unterhaltung und wissenschaftliche Fakten eine durchaus gelungene Symbiose ein (Science-Faction), aber die Fülle an Informationen wirkt letztlich verkrampft, als ob eine Liste penibel von Anfang bis Ende – mit der ständigen Angst bloß nichts zu vergessen – abgehakt würde. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Bemüht ist auch der Umgang mit den Nationalitäten: Wie die Crews des Raumschiff Enterprise ist eine internationale Zusammensetzung unerlässlich für das moralische Profil, die Herkunft der Astronauten betreffend entsteht der Eindruck einer „G8 goes Mars“. Tatsächlich wären die Kosten einer solchen Mission derart hoch, dass eine Mission von den USA und/ oder Russland alleine nicht realisierbar wäre; nichtsdestotrotz ist die Darstellung im Film eher eine offensichtliche Selbstversicherung, dass der Zustand nationaler Alleingänge überwunden ist, was die kleinen, rudimentären Nationalflaggen auf den Uniformen indizieren.
Letztlich bleibt alles beim Alten: Amerika (Rick) hat die Führungsrolle inne, assistiert von Mikhail dem Russen. Geschuldet ist dies dem wissenschaftlichen Anspruch des Films, denn diese beiden Staaten sind auch führend in der Weltraumforschung, insofern der Führungsanspruch aus heutiger Sicht „natürlich“ ist.
Ein weiterer politologisch interessanter Aspekt ist die Rolle der Chinesen, die nicht nur wirtschaftlich auf dem Vormarsch sind und damit das westliche Demokratiesystem herausfordern, sondern am 15. Oktober 2003 ihre erste bemannten Raumflug starteten und etwa zwei Jahre später den Nächsten. China investiert beträchtlich Summen in Rüstung und Raumfahrt, weshalb die im Film skizzierte Konkurrenzsituation durchaus plausibel ist; ebenso die spätere Kooperation, denn bei allen Divergenzen ist China durch die Globalisierung eng an die restliche Welt gekoppelt, so dass eine solche (unfreiwillige) Zusammenarbeit vorstellbar wäre.

Letztlich stellt sich ein Frage: Ist Erforschung des Mars „das letzte große Abenteuer“ der Menschheit, wie uns die Dokumentation weiß machen will? Eher nein, denn als solches dürfte den Menschen in der Vergangenheit jede greifbare Grenze erschienen sein. Braucht die  Welt und insbesondere Amerika ein erneutes „Go West“, einen „Star Trek“, eine Expansion in den Weltraum? Die Menschen werden nicht in Scharen zum Mars pilgern, dafür wäre wohl ein (unbewohnter) Planet der „Klasse M“ (Star Trek-Jargon für einen Planeten, der Menschen natürlichen Lebensraum bietet) erforderlich. Anzunehmen ist, dass die Erforschung des roten Planeten und die damit verbundenen Themata (Weltraumtourismus etc.) jedoch das Paradigma der Weltraumforschung dieses Jahrhunderts darstellen werden.
Darauf deuten die zahlreichen Marsmissionen seit den 1990ern hin; hervorzuheben sind besonders die NASA-Sonde „Mars Pathfinder“, die 1997 den Rover „Sojourner“ zur Erforschung der Marsoberfläche absetzen konnte und die ESA-Raumsonde „Mars Express“ mit dem Landegerät „Beagle 2“, welches am 25. Dezember 2003 landete (zu dem allerdings niemals Kontakt aufgebaut werden konnte). Zwischen 2009 und 2011 sind weitere Marsmissionen von NASA und ESA geplant, George W. Bush nannte eine bemannte Marsmission zum integren Moment seiner Politik. Bemannte Marsmissionen sind für 2037 durch das NASA-Programm „Constellation“ und im Jahre 2030 durch das europäische Marsprogramm „Aurora“ angedacht.
Eine solche Mission wäre der nächste logische Schritt, dem steht jedoch der Alltag der internationalen Politik entgegen: Werden die US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barak Obama der Raumfahrt bei der Gewichtung ihres Wahlkampfes auf soziale Themen die gleiche Priorität einräumen? Wird das monostrukturelle Wirtschaftswachstum Russlands auch bei ausgehenden Ressourcen anhalten? Ist das Wachstum Chinas nachhaltig? Einzige Konstante dürfte somit das europäische Raumprogramm sein. Sämtliche Prognosen könnten sich angesichts dringlicher Probleme als hinfällig erweisen...

Einen anderen Zugang wählt Red Planet.

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