Kategorie: Marstrilogie

12.05.08

Permalink 22:16:36, von tastenmeister Email , 989 Wörter, 321 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Science-Fiction, Action, Marstrilogie

Mission to Mars

Der rote Planet Teil III

Auch Brian de Palmas Mission to Mars stellt – wie der Titel nahelegt – eine Marsmission in den Fokus der Geschichte. Der Film war dabei nur unwesentlich erfolgreicher als Red Planet und spielte über 100 Millionen Dollar bei Produktionskosten von 90 Millionen Dollar ein. Mission to Mars fokussiert gleichwohl wesentlich weniger auf die technische Seite, vielmehr erzählt er von menschlichen Emotionen und ein fantastisches Ende.

Die Handlung spielt im Jahre 2020 und setzt damit einen ähnlichen temporalen Rahmen wie Erster auf dem Mars und Red Planet. Gary Sinise spielt den Astronauten Jim McConnell, der ursprünglich nicht an der Mission teilnehmen soll, weil er mit dem Tod seiner Frau nicht zurecht kommt und als instabil gilt. Nachdem die erste Mannschaft, die erfolgreich den Mars erreichen konnte, beim Scannen eines Phänomens bis auf Luke Graham (Don Cheadle) in einer Art Wirbelsturm ums Leben kommt, wird McConnell unter Commander Woodrow „Woody“ Blake und dessen Frau Terri (Connie Nielsen), sowie dem Techniker Phil Ohlmyer (Jerry O'Connell) aber doch noch als Pilot eingesetzt.
Auf dem Flug zum Mars kommt es während der Probe des Landemanövers zu Meteoriteneinschlägen und die Crew muss die Schäden reparieren, übersieht dabei jedoch ein Leck an der Kraftstoffleitung. So kommt es beim Landeanflug auf den Mars zu einer Explosion, weshalb die Astronauten das Raumschiff verlassen müssen und versuchen ein im Orbit kreisendes Versorgungsmodul zu erreichen. Commander Blake kommt dabei ums Leben, nicht ohne dass sich zwischen ihm und seiner Frau Terri dramatische Momente abspielen: Da sie ihn gegen seinen Rat zu retten versucht begeht er Selbstmord.
Die überlebenden McConnell, Ohlymer und Terri Fisher können auf dem Mars landen und finden nahe der Basisstation drei Gräber der Verstorbenen der ersten Mission. Kurz darauf treffen Sie in der Station auf den beinahe wahnsinnigen Graham, der dank des Gewächshauses in der Basisstation überleben konnte.
Sie stellen fest, dass vom „Marsgesicht“[1]  Audiosignale ausgehen, die zuerst nicht deuten können und finden aber schließlich heraus, dass es sich dabei um die Darstellung eines menschlichen Chromosomenstrangs handelt, der ein Segment fehlt. Sie vervollständigen die Helix und senden das Signal an das Marsgesicht, worauf sich dieses öffnet. Die Astronauten begeben sich ins weiß leuchtende Innere, dass sich nach kurzer Zeit als hochentwickelte technologische Umgebung offenbart.
Es erscheint ein holgrafisches Alien, welches eine Präsentation startet. Diese erzählt die Geschichte von deren Exodus: Nachdem der Mars durch einen Meteoriteneinschlag unbewohnbar geworden war, flohen die Bewohner und platzierten ihr Erbgut u. a. in den Meeren der Erde, woraus letztlich die Menschheit hervorging – die Menschen sind also deren Schöpfung, deren Nachkommen. Das Gesicht wurde als Zeichen an die Menschen zurückgelassen, als Anreiz nachzuforschen. Außerdem haben sie ein Raumschiff zurückgelassen, mit welchem McConnell seinen Traum erfüllt und mit diesem den Aliens zu deren neuem Lebensraum folgt.

Mission to Mars erzählt mehrere Geschichten: Zum einen das „Drama des Lebens“, eine Sinuswelle von Scheitern und Gelingen, wobei die Wellen der verschiedenen Charaktere antagonistisch verlaufen. Jim McConnell, der den Tod der eigenen Frau nicht verwinden kann, Alkoholismus und Depressionen verfällt, schließlich die Chance erhält sich zu beweisen und schlussendlich seinen Lebenstraum erfüllen kann. Terri hingegen kann zusammen mit ihrem Mann auf große Reise gehen, muss dann aber lernen, trotz dessen Tod ihre Professionalität zu wahren. Teil diese Soap-Opera-haften Elements ist auch der heroische Tod von Terris Mann. Der Mittelteil des Films besteht vornehmlich aus zahlreichen Actionsequenzen.
Mittel- und Schwerpunkt des Films ist zum anderen der philosophisch-theologische Schluss, der in Tradition von Werken wie Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum (1968) oder dem nach Lem verfilmten Solaris (1972). Er liefert nicht nur eine zumindest mittelfristig befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Ursprung der Menschheit, sondern auch auf die Frage, ob es abseits der Erde intelligentes Leben im Universum gibt. Der Film beantwortet die Frage vordergründig darwinistisch und erteilt theologischen Modellen eine Absage; die amorphe, weiß strahlende Gestalt des Aliens lässt sich hingegen durchaus als göttliche Erscheinung deuten und bietet damit ein Erklärungsmuster, dass den Film auch eher christlich-konservativen US-Kreisen schmackhaft macht.

Letztlich hebt sich dem Film gerade mit dem Schluss von Red Planet und Erster auf dem Mars ab. Diese geistige Komponente, sowie die Kombination aus Action und Drama drängen jedoch politische Bestandteile in den Hintergrund: Wo Red Planet an bestimmten Stellen kritisches Potenzial zeigt und Erster auf dem Mars bemüht ist die politischen Dimensionen einer solchen Mission zu berücksichtigen, platziert sich Mission to Mars außerhalb eines solchen Anspruchs. Die moralische Botschaft ist ein Appell an die Bescheidenheit des Menschen und eine Demut gegenüber der Schöpfung und interstellaren Umwelt. Auch dies sind im Kern politische Botschaften, aber im Vergleich zu den anderen hier besprochenen Filmen eher abstrakter Natur.
Die Fabeln differieren erheblich: Erster auf dem Mars verfolgt das pädagogische Konzept, eine Reise zum Mars wissenschaftlich korrekt wiederzugeben und zu erläutern, Red Planet ist unterhaltsames Action Kino mit einem gewissen Realitätsanspruch und latent kritischen Momenten und Mission to Mars versucht mit philosophischen Erklärungsmustern Tiefgang zu schaffen, was allerdings nur partiell gelingt.


[1] Hierbei handelt es sich um einen Berg auf der Marsoberfläche, der im Juli 1976 von der Orbiter 1-Sonde der Viking-Mission in der Cydonia-Region aufgenommen wurde und welcher menschliche Gesichtszüge zu haben scheint. Dies führte zu zahlreichen Spekulationen, welche erst 2001 – also kurz nach Erscheinen des Films – durch die Mission Mars Global Surveyor und deren Aufnahmen beendet werden konnten: Das „Marsgesicht“ ist eine Formation natürlichen Ursprungs.

22.04.08

Permalink 14:44:15, von tastenmeister Email , 1215 Wörter, 195 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Science-Fiction, Action, Marstrilogie

Red Planet

Der rote Planet Teil II

Red Planet (2000) bereitet den ersten bemannten Flug zum Mars im Stil des Hollywoodkinos auf. Entsprechend dringlicher wird der Grund für die Marsmission dargestellt: Ab dem Jahr 2000 nehmen Überbevölkerung und Verschmutzung signifikant zu, 2025 zeichnet sich schließlich eine Lösung ab: Die Marsatmosphäre soll durch Algen verändert und für den Menschen verträglich gemacht werden.
2050: Die Instrumente auf dem Mars indizieren allerdings einen sinkenden Sauerstoffgehalt, so dass eine bemannte Mission mit den Crewmitgliedern Captain Kate Bowman (Carrie-Anne Moss), Mechaniker Rob Gallagher (Val Kilmer), Pilot Ted Santen (Benjamin Bratt), den Wissenschaftlern Burchenal (Tom Sizemore), Chantilas (Terence Stamp) und Pettengill (Simon Baker), sowie dem Forschungs- und Kampfroboter AMEE (eine Leihgabe des Militärs) losgeschickt wird, diesen Umstand zu überprüfen.

Zwar dringt der Film erwartungsgemäß tiefer in Science-Fiction-Gefilde vor, als der pädagogische Erster auf dem Mars, beinhaltet aber nichtsdestotrotz zahlreiche Annahmen, die auf wissenschaftlichen Kenntnissen beruhen: So startet das Raumschiff „Mars One“ von einer Orbitalstation und die Reise zum Mars dauert etwa 6 Monate. Die Reise wird jedoch stark gerafft, die psychologische Komponente einer Reise auf engem Raum wird untergeordnet. Etwas pflichtgemäß wird eine anthroplogische Debatte zwischen Chantilas und Gallagher eingeflochten: Der gläubige Chantilas erläutert, dass er durchaus einen Sinn in der Rettung der Menschheit sieht, denn mit ihr würden auch alle kulturellen Errungenschaften verloren gehen.
Künstliche Schwerkraft auf der Mars One wird wie auch bei Erster auf dem Mars ebenfalls durch Rotation erzeugt, allerdings wird dies nicht explizit erläutert (in Erster auf dem Mars geschieht dies in einen Beitrag der Crew für eine Schulklasse). Ebenso Science ist die zeitverzögerten Kommunikation zur Basis. Die Sonneneruption, welche die Mars One schließlich schwer beschädigt, ist zwar im Grunde ebenfalls ein Phänomen mit dem sich eine tatsächliche Marsmission auseinandersetzen müsste, hier beginnt allerdings auch der Actionfilm: Die Mannschaft bis auf Bowman muss übereilt den Flug zum Mars antreten, Probleme mit dem Shuttle verkomplizieren die Lage zusätzlich. Es kommt zu einer Bruchlandung, bei der der Philosoph Chantilas ums Leben kommt. Bowman ist derweil damit beschäftig die der zahlreichen Feuer auf der Mars One zu löschen, was ihr schließlich durch das Ablassen der Atmosphäre in den Weltraum gelingt.
Die Überlebenden schlagen sich zum bereits auf der Marsoberfläche installierten Habitat durch und finden dieses zerstört vor. In der sicheren Annahme, dass das ihren Tod bedeutet, bereiten sie sich auf diesen vor; die Nahtoderfahrung ist eine der wenigen psychologisch ausgeklügelten Sequenzen des Films.
Zwischen Pettengil und Santen, die am Rande einer Schlucht stehen, kommt es zu einer Auseinandersatzung, während der Santen Pettengil provoziert, so dass dieser ihn in die Schlucht stürzt, dies aber den Anderen verheimlicht. Die verbliebenen Drei finden heraus, dass – obwohl keine Algen vorhanden sind – Atmen möglich ist; angesichts dessen gewinnen der Tod von Chantilas und Santen eine tragische Komponente.
Kaum ist dieser erste Plotpoint überwunden taucht die nächste Gefahr auf: AMEE wurde bei der Bruchlandung beschädigt und hält die Crew für Feinde und attackiert diese nach Guerillataktik. Bowman bangt um die Crew, da keine Verbindung mehr besteht und leidet außerdem unter der verzögerten Kommunikation mit der Basis, die sie deshalb kaum bei der Krisenlösung unterstützen kann. Gallagher gelingt es aus den Überresten des Habitats ein Funkgerät zu basteln, mit dem sie Kontakt zum Raumschiff aufnehmen. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, bis die Astronauten in letzter Minute feststellen, dass trotz Abstinenz der Algen rätselhafterweise eine für Menschen verträgliche Atmosphäre vorherrscht.
Bowman kann der Mannschaft von der Mars One einen Ausweg aus der aussichtslosen Situation aufzeigen: Die Astronauten müssen zu einer alten russischen Sonde in 100 Meilen Entfernung, in der allerdings nur 2 von ihnen Platz finden. Sie geraten auf der Wanderung jedoch in einen Eissturm. Pettengill findet heraus, dass die anderen beiden Astronauten eine Abneigung gegen ihn hegen und beschließt alleine zu fliehen, wird aber von AMEE getötet (was diese über die eingebauten Kameras an die anderen überträgt, um diese zu demotiveren). Burchnal und Gallagher finden den Toten und stellen fest, dass er von seltsamen Insekten befallen ist, die zudem leicht entzündlich sind. Spätestens hier erfolgt überdeutlich der Wechsel von der Science-Faction zur Science-Fiction, denn es sind diese Marsinsekten, die die Algen fressen und dadurch Sauerstoff produzieren. Sie haben auch das Habitat der Astronauten zerstört.
Da die Insekten auch schon Pettengills Leiche befallen hatten ist klar: Sie fressen alles, demnach auch Menschen. So befallen sie als nächstes den verletzten Burchnal, welcher sie entzündet um nicht bei lebendigem Leib gefressen zu werden. Gallgher erreicht als letzter Überlebender die russische Sonde, stellt aber fest, dass deren Batterie leer ist; so muss er erst AMEE besiegen, um mit deren Batterie die Sonde zu starten, was ihm auch gelingt, so dass er zur Mars One zurückkehren kann.

Der Film zeigt eine insgesamt recht fortschrittliche (Computer)Technologie, z. B. Spracherkennung, intelligente Kampfroboter, riesige Touchscreens, kompakte Raumanzüge, ist aber bestrebt einen realistischen Rahmen zu setzen. Lediglich die sauerstoffproduzierenden Insekten sprengen den Rahmen des Wissenschaftlichen; deren leichte Entflammbarkeit dient auch lediglich dazu einige schöne Spezialeffekte einzubringen. Im Unterschied zu Erster auf dem Mars ist Red Planet jedoch eine, wenn auch wenig erfolgreiche – Kosten von 75 Millionen Dollar stehen weltweit lediglich Einnahmen von ca. 30 Millionen Dollar gegenüber – Hollywoodproduktion, die kein wissenschaftlich fundiertes und tiefschürfendes Bild einer Marsexpedition liefern, sondern v. a. unterhalten will, was größtenteils auch gelingt.
Es ist bezeichnend, dass der Denker und Theologe Chantilas bereits früh ums Leben kommt; die Geisteswissenschaft ist das erste Opfer, Platz bleibt nur für die empirischen Naturwissenschaften. Dies ist umso verwunderlicher, da der weitere Plot im Gegensatz zur präsentierten Technologie maßgeblich von Wundern und Zufällen (ausfallende Technik, brennende Insekten, welche Sauerstoff produzieren und durchdrehende Roboter) bestimmt wird, für die eigentlich eher die phantasievollen Geisteswissenschaften zuständig sind.
Kritisch bewertet wird auch jene zivil genutzte militärische Spin-Of-Technologie in Form des Kampfroboters AMEE. Der Kampfroboter wendet sich aufgrund einer Fehlfunktion gegen den überforderten Gallagher; der Zauberlehrling wird mit den Geistern konfrontiert, die er rief: Militärische Technologie im zivilen Kontext kann sich stets als ungeeignet oder gefährlich erweisen.
Übrig bleibt ein Film mit einem gewissen wissenschaftlichen Anspruch, der aber nicht auf eine cineastische Fantasie verzichtet und sich somit zwischen den Stühlen positioniert. Im Fokus stehen dabei weniger die bei einer tatsächlichen Marsmission auftretenden zwischenmenschlichen Konflikte oder der Umgang mit der unwirtlichen Natur des Mars wie in Erster auf dem Mars, sondern hollywoodeske Dramaturgie und Spezialeffekte.
Eine Stufe weiter auf der Leiter der Fantastik geht Mission to Mars.

19.02.08

Permalink 12:20:44, von tastenmeister Email , 1540 Wörter, 213 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Science-Fiction, Marstrilogie

Erster auf dem Mars/ Race to Mars

Der rote Planet Teil I

Im Grunde handelt es sich bei dem Film von 2006, der eine im Jahre 2030 stattfindende Expedition zum Mars auf wissenschaftlicher Grundlage aufbereitet, um ein Kammerspiel, aufgepeppt mit CGI-Sequenzen. Zwar wird auch die technische Seite eines solchen Unterfangens gezeigt, im Fokus sind jedoch die internationale 6-köpfige Crew, bestehend aus dem amerikanischen Commander Rick Erwin (Michael Riley), dem russischen Kopiloten Mikhail Cerenkov (Frank Schorpion), dem französischen Ingenieur Antoine Hébert (Lothaire Bluteau), der kanadischen Ingenieurin Jackie Decelles (Claudia Ferri), der spanischen Boardärztin Lucia Alarcon (Claudia Ferri), dem japanischen Biologen Hiromi Okuda (Kevan Ohtsji) und die psychologischen Konsequenzen.

Auf dem Hinflug steht eine Auseinandersetzung zwischen Antoine und Mikhail im Fokus, die durch zahlreiche Pannen verstärkt wird; Antoine wirft Mikhail vor nicht gewissenhaft zu arbeiten und hadert mit seiner Außenseiterrolle, da er im Gegensatz zu Mikhail (welchen Rick persönlich kennt) nicht Ricks erste Wahl war. Ein schwerwiegender Defekt zwingt die Crew einen der Versorgungsarme abzusprengen, sie erfährt zudem, dass ein chinesischer Roboter erfolgreich auf dem Mars landen konnte, was die Stimmung zusätzlich dämpft. Die Bodenkontrolle findet heraus, dass der Zulieferer Schuld an den Pannen trägt, da dieser die Module aufgrund des Zeitplans keiner Endkontrolle unterzogen hat und rät von einer Landung auf dem Mars ab – die Mannschaft wagt es trotzdem und hat Erfolg.
Entgegen den Wünschen der PR-Abteilung unternimmt die Crew Hand in Hand einen gemeinsamen ersten Schritt auf den Mars und nimmt die Untersuchung des Planeten auf. Hiromi wird verletzt und kann nur leichte Arbeit im Inneren der Station verrichten. Dass die chinesische Sonde zuerst auf Wasser stößt, zügelt zwar die Ambitionen, da deren Ergebnisse aber nicht vollständig sind, arbeitet die Mannschaft weiter. Schließlich ist das Material aufgebracht ohne das Ziel erreicht zu haben, so dass die Crew an die Staatsoberhäupter appelliert, nationale Differenzen ruhen zu lassen und die mittlerweile ebenfalls defekte chinesische Sonde als Ersatzteillager nutzen zu dürfen; dies wird ihnen gewährt. Sie haben Erfolg und stoßen auf Wasser. Dabei kommt es zu einem Unfall, bei dem der gerade eben genesene Hiromi getötet wird.
Bedrückt macht sich die Crew auf den Rückflug und muss als erstes das gesamt Raumschiff vom Schimmel befreien. Während des Rückflugs macht den Astronauten nicht nur Technik, sondern auch der Gesundheitszustand zu schaffen; als auch mehrere Gesundheits- und Systemchecks zu keinem Ergebnis führen, will Ärztin Lucia die Marsproben öffnen, um zu überprüfen, ob Marsbakterien, der Auslöser der Erkrankung sind, was zur Folge hätte, dass die Astronauten nach der Landung u. U. lebenslang in Quarantäne müssten. Rick entscheidet deshalb dies nicht zu tun, was ihm massive Kritik einbringt, die beinahe in einer Meuterei gipfelt. Gerade noch rechtzeitig – Mikhail ist bereits kollabiert – wird festegestellt, dass wieder einmal die Technik schuld ist: Das System liefert keine Informationen über Fehlfunktionen mehr, so dass das Klimasystem unbemerkt zuviel Kohlenmonoxid emittiert und die Crew vergiftet hat. Kurz vor erreichen der Erde stellt man auf der Terra Nova ein schwerwiegendes Problem fest: Der Nuklearantrieb, der das Raumschiff in der Erdatmosphäre bremsen soll, ist nicht funktionsfähig. Rick und Antoine nehmen die Reparatur vor, die aufgrund der radiaktiven Strahlung nicht ungefährlich ist. Antoine wird verletzt, kann jedoch von Rick gerettet werden. Der Außenseiter Antoine kann sich mit der erfolgreichen Reparatur den Respekt der Mannschaft und besonders von Rick verdienen. Einer erfolgreichen Rückkehr steht nichts mehr im Wege.

Man merkt Erster auf dem Mars zu jeder Zeit seine pädagogischen Bemühungen an: Selbst die Zusammensetzung der Crew geschah nach wissenschaftlichen Kriterien (so klärt einen die zugehörige sechsteilige Dokumentation auf): Ein Frauenanteil verbessert das Klima an Bord und die multinationale Zusammensetzung verhindert nationale Egoismen. Selbst der vermeintliche eigennützige Vorreiter China, dessen Sonde bereits vor der Mannschaft der Terra Nova auf dem Mars landen kann, überlässt später Teile seiner Bohrvorrichtung der Crew, damit deren Bohrungen vorangetrieben werden können, ähnlich der sowjetisch-amerikanischen Annäherungen in den 70ern. Der Film ist somit merklich vom 20. Jahrhundert (und dessen Klischees) geprägt: Ein neuer Kalter Krieg mit einem erstarkten China, Phasen der Annäherung, eine russisch-amerikanische Zusammenarbeit, die Vergleiche mit der Mondlandungen und den Apollo-Missionen.
Schwerpunkt des Films bilden die Probleme einer Mannschaft für 583 Tage auf engstem Raum eingezwängt zu sein. Dies wird in der zugehörigen Dokumentation erläutert (für die zahlreiche Sequenzen aus Erster auf dem Mars verwendet werden), in der Raumfahrtexperten ausführen, wie wichtig die Auswahl der Astronauten für das Gelingen der Mission ist. So zeigt sich bei der Reparatur des Nukleartriebwerks, dass der Außenseiter Antoine die perfekte Ergänzung war. Darüber hinaus bietet der Film viele wissenschaftlich Fakten: Die Flugroute zum Mars, die Konstruktion der Terra Nova und mögliche technische Schwierigkeiten, die Situation auf der Marsoberfläche, die Komplikationen auf Hin- und Rückflug, die Angst vor Marsbakterien etc..
Zwar gehen Unterhaltung und wissenschaftliche Fakten eine durchaus gelungene Symbiose ein (Science-Faction), aber die Fülle an Informationen wirkt letztlich verkrampft, als ob eine Liste penibel von Anfang bis Ende – mit der ständigen Angst bloß nichts zu vergessen – abgehakt würde. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Bemüht ist auch der Umgang mit den Nationalitäten: Wie die Crews des Raumschiff Enterprise ist eine internationale Zusammensetzung unerlässlich für das moralische Profil, die Herkunft der Astronauten betreffend entsteht der Eindruck einer „G8 goes Mars“. Tatsächlich wären die Kosten einer solchen Mission derart hoch, dass eine Mission von den USA und/ oder Russland alleine nicht realisierbar wäre; nichtsdestotrotz ist die Darstellung im Film eher eine offensichtliche Selbstversicherung, dass der Zustand nationaler Alleingänge überwunden ist, was die kleinen, rudimentären Nationalflaggen auf den Uniformen indizieren.
Letztlich bleibt alles beim Alten: Amerika (Rick) hat die Führungsrolle inne, assistiert von Mikhail dem Russen. Geschuldet ist dies dem wissenschaftlichen Anspruch des Films, denn diese beiden Staaten sind auch führend in der Weltraumforschung, insofern der Führungsanspruch aus heutiger Sicht „natürlich“ ist.
Ein weiterer politologisch interessanter Aspekt ist die Rolle der Chinesen, die nicht nur wirtschaftlich auf dem Vormarsch sind und damit das westliche Demokratiesystem herausfordern, sondern am 15. Oktober 2003 ihre erste bemannten Raumflug starteten und etwa zwei Jahre später den Nächsten. China investiert beträchtlich Summen in Rüstung und Raumfahrt, weshalb die im Film skizzierte Konkurrenzsituation durchaus plausibel ist; ebenso die spätere Kooperation, denn bei allen Divergenzen ist China durch die Globalisierung eng an die restliche Welt gekoppelt, so dass eine solche (unfreiwillige) Zusammenarbeit vorstellbar wäre.

Letztlich stellt sich ein Frage: Ist Erforschung des Mars „das letzte große Abenteuer“ der Menschheit, wie uns die Dokumentation weiß machen will? Eher nein, denn als solches dürfte den Menschen in der Vergangenheit jede greifbare Grenze erschienen sein. Braucht die  Welt und insbesondere Amerika ein erneutes „Go West“, einen „Star Trek“, eine Expansion in den Weltraum? Die Menschen werden nicht in Scharen zum Mars pilgern, dafür wäre wohl ein (unbewohnter) Planet der „Klasse M“ (Star Trek-Jargon für einen Planeten, der Menschen natürlichen Lebensraum bietet) erforderlich. Anzunehmen ist, dass die Erforschung des roten Planeten und die damit verbundenen Themata (Weltraumtourismus etc.) jedoch das Paradigma der Weltraumforschung dieses Jahrhunderts darstellen werden.
Darauf deuten die zahlreichen Marsmissionen seit den 1990ern hin; hervorzuheben sind besonders die NASA-Sonde „Mars Pathfinder“, die 1997 den Rover „Sojourner“ zur Erforschung der Marsoberfläche absetzen konnte und die ESA-Raumsonde „Mars Express“ mit dem Landegerät „Beagle 2“, welches am 25. Dezember 2003 landete (zu dem allerdings niemals Kontakt aufgebaut werden konnte). Zwischen 2009 und 2011 sind weitere Marsmissionen von NASA und ESA geplant, George W. Bush nannte eine bemannte Marsmission zum integren Moment seiner Politik. Bemannte Marsmissionen sind für 2037 durch das NASA-Programm „Constellation“ und im Jahre 2030 durch das europäische Marsprogramm „Aurora“ angedacht.
Eine solche Mission wäre der nächste logische Schritt, dem steht jedoch der Alltag der internationalen Politik entgegen: Werden die US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barak Obama der Raumfahrt bei der Gewichtung ihres Wahlkampfes auf soziale Themen die gleiche Priorität einräumen? Wird das monostrukturelle Wirtschaftswachstum Russlands auch bei ausgehenden Ressourcen anhalten? Ist das Wachstum Chinas nachhaltig? Einzige Konstante dürfte somit das europäische Raumprogramm sein. Sämtliche Prognosen könnten sich angesichts dringlicher Probleme als hinfällig erweisen...

Einen anderen Zugang wählt Red Planet.

Cinepolitik

Sozialwissenschaftliche Kommentare, Analysen, Interpretationen und Essays zu Filmen/ Filmreihen und Serien, insbesondere Science-Fiction

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