Red Planet (2000) bereitet den ersten bemannten Flug zum Mars im Stil des Hollywoodkinos auf. Entsprechend dringlicher wird der Grund für die Marsmission dargestellt: Ab dem Jahr 2000 nehmen Überbevölkerung und Verschmutzung signifikant zu, 2025 zeichnet sich schließlich eine Lösung ab: Die Marsatmosphäre soll durch Algen verändert und für den Menschen verträglich gemacht werden.
2050: Die Instrumente auf dem Mars indizieren allerdings einen sinkenden Sauerstoffgehalt, so dass eine bemannte Mission mit den Crewmitgliedern Captain Kate Bowman (Carrie-Anne Moss), Mechaniker Rob Gallagher (Val Kilmer), Pilot Ted Santen (Benjamin Bratt), den Wissenschaftlern Burchenal (Tom Sizemore), Chantilas (Terence Stamp) und Pettengill (Simon Baker), sowie dem Forschungs- und Kampfroboter AMEE (eine Leihgabe des Militärs) losgeschickt wird, diesen Umstand zu überprüfen.
Zwar dringt der Film erwartungsgemäß tiefer in Science-Fiction-Gefilde vor, als der pädagogische Erster auf dem Mars, beinhaltet aber nichtsdestotrotz zahlreiche Annahmen, die auf wissenschaftlichen Kenntnissen beruhen: So startet das Raumschiff „Mars One“ von einer Orbitalstation und die Reise zum Mars dauert etwa 6 Monate. Die Reise wird jedoch stark gerafft, die psychologische Komponente einer Reise auf engem Raum wird untergeordnet. Etwas pflichtgemäß wird eine anthroplogische Debatte zwischen Chantilas und Gallagher eingeflochten: Der gläubige Chantilas erläutert, dass er durchaus einen Sinn in der Rettung der Menschheit sieht, denn mit ihr würden auch alle kulturellen Errungenschaften verloren gehen.
Künstliche Schwerkraft auf der Mars One wird wie auch bei Erster auf dem Mars ebenfalls durch Rotation erzeugt, allerdings wird dies nicht explizit erläutert (in Erster auf dem Mars geschieht dies in einen Beitrag der Crew für eine Schulklasse). Ebenso Science ist die zeitverzögerten Kommunikation zur Basis. Die Sonneneruption, welche die Mars One schließlich schwer beschädigt, ist zwar im Grunde ebenfalls ein Phänomen mit dem sich eine tatsächliche Marsmission auseinandersetzen müsste, hier beginnt allerdings auch der Actionfilm: Die Mannschaft bis auf Bowman muss übereilt den Flug zum Mars antreten, Probleme mit dem Shuttle verkomplizieren die Lage zusätzlich. Es kommt zu einer Bruchlandung, bei der der Philosoph Chantilas ums Leben kommt. Bowman ist derweil damit beschäftig die der zahlreichen Feuer auf der Mars One zu löschen, was ihr schließlich durch das Ablassen der Atmosphäre in den Weltraum gelingt.
Die Überlebenden schlagen sich zum bereits auf der Marsoberfläche installierten Habitat durch und finden dieses zerstört vor. In der sicheren Annahme, dass das ihren Tod bedeutet, bereiten sie sich auf diesen vor; die Nahtoderfahrung ist eine der wenigen psychologisch ausgeklügelten Sequenzen des Films.
Zwischen Pettengil und Santen, die am Rande einer Schlucht stehen, kommt es zu einer Auseinandersatzung, während der Santen Pettengil provoziert, so dass dieser ihn in die Schlucht stürzt, dies aber den Anderen verheimlicht. Die verbliebenen Drei finden heraus, dass – obwohl keine Algen vorhanden sind – Atmen möglich ist; angesichts dessen gewinnen der Tod von Chantilas und Santen eine tragische Komponente.
Kaum ist dieser erste Plotpoint überwunden taucht die nächste Gefahr auf: AMEE wurde bei der Bruchlandung beschädigt und hält die Crew für Feinde und attackiert diese nach Guerillataktik. Bowman bangt um die Crew, da keine Verbindung mehr besteht und leidet außerdem unter der verzögerten Kommunikation mit der Basis, die sie deshalb kaum bei der Krisenlösung unterstützen kann. Gallagher gelingt es aus den Überresten des Habitats ein Funkgerät zu basteln, mit dem sie Kontakt zum Raumschiff aufnehmen. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, bis die Astronauten in letzter Minute feststellen, dass trotz Abstinenz der Algen rätselhafterweise eine für Menschen verträgliche Atmosphäre vorherrscht.
Bowman kann der Mannschaft von der Mars One einen Ausweg aus der aussichtslosen Situation aufzeigen: Die Astronauten müssen zu einer alten russischen Sonde in 100 Meilen Entfernung, in der allerdings nur 2 von ihnen Platz finden. Sie geraten auf der Wanderung jedoch in einen Eissturm. Pettengill findet heraus, dass die anderen beiden Astronauten eine Abneigung gegen ihn hegen und beschließt alleine zu fliehen, wird aber von AMEE getötet (was diese über die eingebauten Kameras an die anderen überträgt, um diese zu demotiveren). Burchnal und Gallagher finden den Toten und stellen fest, dass er von seltsamen Insekten befallen ist, die zudem leicht entzündlich sind. Spätestens hier erfolgt überdeutlich der Wechsel von der Science-Faction zur Science-Fiction, denn es sind diese Marsinsekten, die die Algen fressen und dadurch Sauerstoff produzieren. Sie haben auch das Habitat der Astronauten zerstört.
Da die Insekten auch schon Pettengills Leiche befallen hatten ist klar: Sie fressen alles, demnach auch Menschen. So befallen sie als nächstes den verletzten Burchnal, welcher sie entzündet um nicht bei lebendigem Leib gefressen zu werden. Gallgher erreicht als letzter Überlebender die russische Sonde, stellt aber fest, dass deren Batterie leer ist; so muss er erst AMEE besiegen, um mit deren Batterie die Sonde zu starten, was ihm auch gelingt, so dass er zur Mars One zurückkehren kann.
Der Film zeigt eine insgesamt recht fortschrittliche (Computer)Technologie, z. B. Spracherkennung, intelligente Kampfroboter, riesige Touchscreens, kompakte Raumanzüge, ist aber bestrebt einen realistischen Rahmen zu setzen. Lediglich die sauerstoffproduzierenden Insekten sprengen den Rahmen des Wissenschaftlichen; deren leichte Entflammbarkeit dient auch lediglich dazu einige schöne Spezialeffekte einzubringen. Im Unterschied zu Erster auf dem Mars ist Red Planet jedoch eine, wenn auch wenig erfolgreiche – Kosten von 75 Millionen Dollar stehen weltweit lediglich Einnahmen von ca. 30 Millionen Dollar gegenüber – Hollywoodproduktion, die kein wissenschaftlich fundiertes und tiefschürfendes Bild einer Marsexpedition liefern, sondern v. a. unterhalten will, was größtenteils auch gelingt.
Es ist bezeichnend, dass der Denker und Theologe Chantilas bereits früh ums Leben kommt; die Geisteswissenschaft ist das erste Opfer, Platz bleibt nur für die empirischen Naturwissenschaften. Dies ist umso verwunderlicher, da der weitere Plot im Gegensatz zur präsentierten Technologie maßgeblich von Wundern und Zufällen (ausfallende Technik, brennende Insekten, welche Sauerstoff produzieren und durchdrehende Roboter) bestimmt wird, für die eigentlich eher die phantasievollen Geisteswissenschaften zuständig sind.
Kritisch bewertet wird auch jene zivil genutzte militärische Spin-Of-Technologie in Form des Kampfroboters AMEE. Der Kampfroboter wendet sich aufgrund einer Fehlfunktion gegen den überforderten Gallagher; der Zauberlehrling wird mit den Geistern konfrontiert, die er rief: Militärische Technologie im zivilen Kontext kann sich stets als ungeeignet oder gefährlich erweisen.
Übrig bleibt ein Film mit einem gewissen wissenschaftlichen Anspruch, der aber nicht auf eine cineastische Fantasie verzichtet und sich somit zwischen den Stühlen positioniert. Im Fokus stehen dabei weniger die bei einer tatsächlichen Marsmission auftretenden zwischenmenschlichen Konflikte oder der Umgang mit der unwirtlichen Natur des Mars wie in Erster auf dem Mars, sondern hollywoodeske Dramaturgie und Spezialeffekte.
Eine Stufe weiter auf der Leiter der Fantastik geht Mission to Mars.
Im Grunde handelt es sich bei dem Film von 2006, der eine im Jahre 2030 stattfindende Expedition zum Mars auf wissenschaftlicher Grundlage aufbereitet, um ein Kammerspiel, aufgepeppt mit CGI-Sequenzen. Zwar wird auch die technische Seite eines solchen Unterfangens gezeigt, im Fokus sind jedoch die internationale 6-köpfige Crew, bestehend aus dem amerikanischen Commander Rick Erwin (Michael Riley), dem russischen Kopiloten Mikhail Cerenkov (Frank Schorpion), dem französischen Ingenieur Antoine Hébert (Lothaire Bluteau), der kanadischen Ingenieurin Jackie Decelles (Claudia Ferri), der spanischen Boardärztin Lucia Alarcon (Claudia Ferri), dem japanischen Biologen Hiromi Okuda (Kevan Ohtsji) und die psychologischen Konsequenzen.
Auf dem Hinflug steht eine Auseinandersetzung zwischen Antoine und Mikhail im Fokus, die durch zahlreiche Pannen verstärkt wird; Antoine wirft Mikhail vor nicht gewissenhaft zu arbeiten und hadert mit seiner Außenseiterrolle, da er im Gegensatz zu Mikhail (welchen Rick persönlich kennt) nicht Ricks erste Wahl war. Ein schwerwiegender Defekt zwingt die Crew einen der Versorgungsarme abzusprengen, sie erfährt zudem, dass ein chinesischer Roboter erfolgreich auf dem Mars landen konnte, was die Stimmung zusätzlich dämpft. Die Bodenkontrolle findet heraus, dass der Zulieferer Schuld an den Pannen trägt, da dieser die Module aufgrund des Zeitplans keiner Endkontrolle unterzogen hat und rät von einer Landung auf dem Mars ab – die Mannschaft wagt es trotzdem und hat Erfolg.
Entgegen den Wünschen der PR-Abteilung unternimmt die Crew Hand in Hand einen gemeinsamen ersten Schritt auf den Mars und nimmt die Untersuchung des Planeten auf. Hiromi wird verletzt und kann nur leichte Arbeit im Inneren der Station verrichten. Dass die chinesische Sonde zuerst auf Wasser stößt, zügelt zwar die Ambitionen, da deren Ergebnisse aber nicht vollständig sind, arbeitet die Mannschaft weiter. Schließlich ist das Material aufgebracht ohne das Ziel erreicht zu haben, so dass die Crew an die Staatsoberhäupter appelliert, nationale Differenzen ruhen zu lassen und die mittlerweile ebenfalls defekte chinesische Sonde als Ersatzteillager nutzen zu dürfen; dies wird ihnen gewährt. Sie haben Erfolg und stoßen auf Wasser. Dabei kommt es zu einem Unfall, bei dem der gerade eben genesene Hiromi getötet wird.
Bedrückt macht sich die Crew auf den Rückflug und muss als erstes das gesamt Raumschiff vom Schimmel befreien. Während des Rückflugs macht den Astronauten nicht nur Technik, sondern auch der Gesundheitszustand zu schaffen; als auch mehrere Gesundheits- und Systemchecks zu keinem Ergebnis führen, will Ärztin Lucia die Marsproben öffnen, um zu überprüfen, ob Marsbakterien, der Auslöser der Erkrankung sind, was zur Folge hätte, dass die Astronauten nach der Landung u. U. lebenslang in Quarantäne müssten. Rick entscheidet deshalb dies nicht zu tun, was ihm massive Kritik einbringt, die beinahe in einer Meuterei gipfelt. Gerade noch rechtzeitig – Mikhail ist bereits kollabiert – wird festegestellt, dass wieder einmal die Technik schuld ist: Das System liefert keine Informationen über Fehlfunktionen mehr, so dass das Klimasystem unbemerkt zuviel Kohlenmonoxid emittiert und die Crew vergiftet hat. Kurz vor erreichen der Erde stellt man auf der Terra Nova ein schwerwiegendes Problem fest: Der Nuklearantrieb, der das Raumschiff in der Erdatmosphäre bremsen soll, ist nicht funktionsfähig. Rick und Antoine nehmen die Reparatur vor, die aufgrund der radiaktiven Strahlung nicht ungefährlich ist. Antoine wird verletzt, kann jedoch von Rick gerettet werden. Der Außenseiter Antoine kann sich mit der erfolgreichen Reparatur den Respekt der Mannschaft und besonders von Rick verdienen. Einer erfolgreichen Rückkehr steht nichts mehr im Wege.
Man merkt Erster auf dem Mars zu jeder Zeit seine pädagogischen Bemühungen an: Selbst die Zusammensetzung der Crew geschah nach wissenschaftlichen Kriterien (so klärt einen die zugehörige sechsteilige Dokumentation auf): Ein Frauenanteil verbessert das Klima an Bord und die multinationale Zusammensetzung verhindert nationale Egoismen. Selbst der vermeintliche eigennützige Vorreiter China, dessen Sonde bereits vor der Mannschaft der Terra Nova auf dem Mars landen kann, überlässt später Teile seiner Bohrvorrichtung der Crew, damit deren Bohrungen vorangetrieben werden können, ähnlich der sowjetisch-amerikanischen Annäherungen in den 70ern. Der Film ist somit merklich vom 20. Jahrhundert (und dessen Klischees) geprägt: Ein neuer Kalter Krieg mit einem erstarkten China, Phasen der Annäherung, eine russisch-amerikanische Zusammenarbeit, die Vergleiche mit der Mondlandungen und den Apollo-Missionen.
Schwerpunkt des Films bilden die Probleme einer Mannschaft für 583 Tage auf engstem Raum eingezwängt zu sein. Dies wird in der zugehörigen Dokumentation erläutert (für die zahlreiche Sequenzen aus Erster auf dem Mars verwendet werden), in der Raumfahrtexperten ausführen, wie wichtig die Auswahl der Astronauten für das Gelingen der Mission ist. So zeigt sich bei der Reparatur des Nukleartriebwerks, dass der Außenseiter Antoine die perfekte Ergänzung war. Darüber hinaus bietet der Film viele wissenschaftlich Fakten: Die Flugroute zum Mars, die Konstruktion der Terra Nova und mögliche technische Schwierigkeiten, die Situation auf der Marsoberfläche, die Komplikationen auf Hin- und Rückflug, die Angst vor Marsbakterien etc..
Zwar gehen Unterhaltung und wissenschaftliche Fakten eine durchaus gelungene Symbiose ein (Science-Faction), aber die Fülle an Informationen wirkt letztlich verkrampft, als ob eine Liste penibel von Anfang bis Ende – mit der ständigen Angst bloß nichts zu vergessen – abgehakt würde. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Bemüht ist auch der Umgang mit den Nationalitäten: Wie die Crews des Raumschiff Enterprise ist eine internationale Zusammensetzung unerlässlich für das moralische Profil, die Herkunft der Astronauten betreffend entsteht der Eindruck einer „G8 goes Mars“. Tatsächlich wären die Kosten einer solchen Mission derart hoch, dass eine Mission von den USA und/ oder Russland alleine nicht realisierbar wäre; nichtsdestotrotz ist die Darstellung im Film eher eine offensichtliche Selbstversicherung, dass der Zustand nationaler Alleingänge überwunden ist, was die kleinen, rudimentären Nationalflaggen auf den Uniformen indizieren.
Letztlich bleibt alles beim Alten: Amerika (Rick) hat die Führungsrolle inne, assistiert von Mikhail dem Russen. Geschuldet ist dies dem wissenschaftlichen Anspruch des Films, denn diese beiden Staaten sind auch führend in der Weltraumforschung, insofern der Führungsanspruch aus heutiger Sicht „natürlich“ ist.
Ein weiterer politologisch interessanter Aspekt ist die Rolle der Chinesen, die nicht nur wirtschaftlich auf dem Vormarsch sind und damit das westliche Demokratiesystem herausfordern, sondern am 15. Oktober 2003 ihre erste bemannten Raumflug starteten und etwa zwei Jahre später den Nächsten. China investiert beträchtlich Summen in Rüstung und Raumfahrt, weshalb die im Film skizzierte Konkurrenzsituation durchaus plausibel ist; ebenso die spätere Kooperation, denn bei allen Divergenzen ist China durch die Globalisierung eng an die restliche Welt gekoppelt, so dass eine solche (unfreiwillige) Zusammenarbeit vorstellbar wäre.
Letztlich stellt sich ein Frage: Ist Erforschung des Mars „das letzte große Abenteuer“ der Menschheit, wie uns die Dokumentation weiß machen will? Eher nein, denn als solches dürfte den Menschen in der Vergangenheit jede greifbare Grenze erschienen sein. Braucht die Welt und insbesondere Amerika ein erneutes „Go West“, einen „Star Trek“, eine Expansion in den Weltraum? Die Menschen werden nicht in Scharen zum Mars pilgern, dafür wäre wohl ein (unbewohnter) Planet der „Klasse M“ (Star Trek-Jargon für einen Planeten, der Menschen natürlichen Lebensraum bietet) erforderlich. Anzunehmen ist, dass die Erforschung des roten Planeten und die damit verbundenen Themata (Weltraumtourismus etc.) jedoch das Paradigma der Weltraumforschung dieses Jahrhunderts darstellen werden.
Darauf deuten die zahlreichen Marsmissionen seit den 1990ern hin; hervorzuheben sind besonders die NASA-Sonde „Mars Pathfinder“, die 1997 den Rover „Sojourner“ zur Erforschung der Marsoberfläche absetzen konnte und die ESA-Raumsonde „Mars Express“ mit dem Landegerät „Beagle 2“, welches am 25. Dezember 2003 landete (zu dem allerdings niemals Kontakt aufgebaut werden konnte). Zwischen 2009 und 2011 sind weitere Marsmissionen von NASA und ESA geplant, George W. Bush nannte eine bemannte Marsmission zum integren Moment seiner Politik. Bemannte Marsmissionen sind für 2037 durch das NASA-Programm „Constellation“ und im Jahre 2030 durch das europäische Marsprogramm „Aurora“ angedacht.
Eine solche Mission wäre der nächste logische Schritt, dem steht jedoch der Alltag der internationalen Politik entgegen: Werden die US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barak Obama der Raumfahrt bei der Gewichtung ihres Wahlkampfes auf soziale Themen die gleiche Priorität einräumen? Wird das monostrukturelle Wirtschaftswachstum Russlands auch bei ausgehenden Ressourcen anhalten? Ist das Wachstum Chinas nachhaltig? Einzige Konstante dürfte somit das europäische Raumprogramm sein. Sämtliche Prognosen könnten sich angesichts dringlicher Probleme als hinfällig erweisen...
Einen anderen Zugang wählt Red Planet.
Wesley Snipes in der Rolle des United States Army-Rangers (die Elitetruppe des Heeres) „Painter“ – seine Aufgabe ist es feindliche Objekte mit einem GPS-Sender zu markieren, um einen „chirurgisch“ sauberen Bombenangriff zu ermöglichen – antizipiert die „Marschrichtung“ des Films: militärische Action.
Der ehemalige Rotarmist und „Kremlhasser“ (bestätigt wird dieser erste Eindruck durch die rücksichtslose Erschießung gefangener russischer Soldaten auf dessen Befehl) Igor Zeysan kämpft in Tschetschenien auf Seiten der Rebellen und nimmt mit diesen ein Atomkraftwerk ein, das unter amerikanischer Mithilfe demontiert wurde, aber durch Brennstäbe des Nordkoreaners John-Lee Kim einer der Reaktoren reaktiviert werden soll. Die amerikanischen Techniker werden als Geiseln genommen. Hier wird eines der von amerikanischen Neokonservativen skizzierten Horrorszenarien Realität: Proliferation durch einen „Schurkenstaat“ wird zur internationalen Gefahr, zur Gefahr für die USA.
Da die Russen um Hilfe bitten, wird beschlossen den Reaktor zu zerstören, bevor er reaktiviert werden kann, und die Geiseln zu befreien. Die Generalität verlangt einen großangelegten Luftangriff, wegen der Gefahr emitierender Radioaktivität wird aber ein gezielter Luftschlag beschlossen, weshalb die CIA den Einsatz von Painters in Wiesbaden stationierter Spezialeinheit vorschlägt, um den betroffenen Reaktor zu markieren.
Man erfährt indes, dass die Brennstäbe bereits über Dagestan eingeschifft werden und dass in Bosnien (ein Konflikt, welcher durch den Einsatz der NATO und besonders den Druck der USA im Rahmen des „Dayton-Abkommens“ erfolgreich beigelegt werden konnte und entsprechende positive Konnotationen generieren soll) durch eine falsche Zielmarkierung Painters Unschuldige getötet wurden. Es stellt sich des weiteren heraus, dass revanchistische Russen, u. a. Minister Ivanov, mit Zeysan zusammenarbeiten und Amerika in eine Falle locken wollen, um diese bloßzustellen und sich an die Staatsspitze zu putschen (ein beliebtes Motiv im amerikanischen Film der 90er, wie z. B. in James Bond – Golden Eye (1995) oder auch Die Welt ist nicht genug (1999)).
Nach der Ankunft in Tschetschenien gelangt die Einheit ohne größeren Widerstand in das Kraftwerk. Dort stoßen sie auf zwei Überlebende, der Rest der Wissenschaftler wurde brutal ermordet, die Augen sind verbunden und verletzt. Trotz einiger Pannen kann die Einheit ihre Mission vollenden und das Ziel markieren. Painter schöpft jedoch aufgrund des reibungslosen Ablaufs Verdacht; im Hubschrauber, der die amerikanischen Soldaten abholen soll, entpuppt sich die befreite Zivilistin als Komplizin der Rebellen: Sie erschießt einen Soldaten und sprengt den Hubschrauber samt verbliebener Besatzung mit einer Handgranate in die Luft. Die Ranger werden festgenommen, nur Painter, der zurückgefallen war, ist noch frei. Auch der amerikanische Kollaborateur (einer der beiden Überlebenden) wird von den Rebellen umgehend erschossen.
Es kommt jedoch zu zunehmenden Problemen auf politischer Ebene, die CIA kann jedoch rechtzeitig herausfinden, dass ihnen von russischer Seite manipulierte Fotos weitergereicht wurden: Der Lastwagen mit Brennstäben wurde retuschiert, d. h. ein amerikanischer Angriff hätte eine atomare Katastrophe zur Folge, da der Reaktor voll funktionsfähig ist. In der Konsequenz der Katastrophe hoffen die russischen Hardliner um Zeysan und Minister Ivanov die eigene und die amerikanische Regierung als unfähig darstellen und die Macht übernehmen zu können. Painter durchschaut nun die Augenverletzungen der getöteten Wissenschaftler: Es sind durch bei der Reinstallation der Brennstäbe entstandene Strahlungsödeme.
Amanda Jacks, mit der Painter verbunden war, versucht ihren Vorgesetzten von dieser Theorie zu überzeugen, was ihr aber nicht gelingt. Es wird nichtsdestotrotz allmählich offensichtlich, dass eine Verschwörung im Gange ist: Die angeblich von Russland autorisierten amerikanischen Flugzeuge müssen russische Gegner abschießen, weil diese nichts von US-Mission wissen (wollen). Die russischen Behörden können derweil den Laster ausmachen, der angeblich die Brennstäbe transportiert, und stellen darin tatsächlich Strahlung fest – sind die Vermutungen falsch und kann die Operation wie geplant ausgeführt werden? Nein, denn es handelt sich um verstrahlte Schweine, die für Ablenkung sorgen sollen. Die Rakete ist schon unterwegs, Painter kann das Signal jedoch deaktivieren und die Rakete sucht das zweite Signal, das ein Sender ausstrahlt, welchen Painter in weiser Voraussicht angebracht hat. Und das ausgerechnet an der Stelle, an der Zeysan sein Refugium hat, sodass dieser getötet wird. Auch die Beteiligung des Ministers wird schnell aufgedeckt und dieser begeht „Selbstmord“ (es ist davon auszugehen, dass er ermordet wurde).
Der narrativ unterdurchschnittliche Action-Film, aus dessen Cast einzig Wesley Snipes heraus sticht, rezipiert jenes von neokonservativen Denkern kolportierte Szenario, dass Atomwaffen aus unsicheren Drittstaaten in die Hände von Terroristen oder skrupellosen Strategen (was die Neocons ironischerweise letztlich gleichwohl auch sind) fallen. Ebenso stereotyp ist das Bild eines Russlands, welches von machtgierigen und revanchistischen Politikern und Militärs, die noch immer im Kalter-Krieg-Denken verhaftet nach einer Erniedrigung Amerikas streben und dabei vor kaltblütigem Mord (die russischen Soldaten, die amerikanischen Wissenschaftler) und sogar Massenmord durch eine nukleare Katastrophe nicht zurückschrecken, durchsetzt ist. Selbst von der herrschenden Regierung wird ein unrühmliches Bild gezeichnet: Mit dem ertappten Putschisten wird kurzer Prozess gemacht, auf eine faire, aber langwierige Gerichtsverhandlung wird verzichtet. Ebenso das Bild der tschetschenischen Rebellen, die auf der Jagd nach Painter rücksichtslos die eigenen Leute umbringen, wenn z. B. der Panzer in die Baracken feuert, Painter verfehlt, aber die Rebellen auf der anderen Seite trifft. Daraus ergibt sich ein Menschenbild, dass die Menschen in Ländern „auf der anderen Seite“, zu denen aus der Sicht des Durchschnittsamerikaners provokativ formuliert all jene von Russland bis China zählen, vorzivilisatorische Barbaren sind (ein gern zitiertes Bild im „Kampf gegen den Terror „ist das der „unzivilisierten“ gegen die „zivilisierte“ Welt). Ein Bild das den Militärs gelegen kommen dürfte, denn gegen unzivilisierte Barbaren lassen sich nicht nur leichter Militärschläge in der Bevölkerung rechtfertigen, Soldaten fällt es auch leichter gegen „Unmenschen“ zu kämpfen.
Es lässt sich allerdings konstatieren, dass das präsentierte Bild Russlands in seiner Tendenz nicht gänzlich falsch ist: Das postdemokratische Russland unter Putin denkt und redet wieder in Kategorien des Ost-West-Konflikts, es spielt dabei bewusst mit Ängsten des Westens. In Reaktion auf Putins Rede auf der Münchener Sicherheitskonferenz vom 10.-12.02.2007, in der er die USA für die zunehmende Verschärfung globaler Konflikte verantwortlich machte und durch die Pläne für das Raketenabwehrsystem der USA mit Auslegern in ehemaligen Sowjetrepubliken ein neues Wettrüsten provoziert sah, wurde von der Eröffnung eines „Neuen Kalten Kriegs“, einem „neuen Eisernen Vorhang“ einer neuen „Eiszeit“ gewarnt. Die markigen Worte in Richtung der Vereinigten Staaten waren angesichts der aktuellen Schwäche der USA wohldosiert und riefen durchaus auch Zustimmung hervor. Gerade die russischen Argumente gegen das Raketenabwehrsystem entbehren jedoch militärischer Logik, da die wenigen Abwehrraketen, kaum ein Hindernis für die immer noch zahlreich vorhandenen russischen Atomraketen darstellen. Ein weiterer Indikator für das Großmachtdenken: Russland nützt systematisch die Ressourcenabhängigkeit besonders westlich gesinnter ehemaliger Sowjetrepubliken wie der Ukraine, Polen oder den baltischen Staaten aus und provoziert damit Erinnerungen. Das im Film entworfene Szenario in seiner ganzen Drastik mag wenig realistisch sein, aber eine zunehmend selbstbewusste, feindselige und manchmal (kalkuliert) unkalkulierbare Haltung der russischen Führung ist nicht von der Hand zu weisen.
Die Produktion des Films dürfte vermutlich Unterstützung durch das amerikanische Militär erhalten haben, weitestgehend fungiert er als Propaganda- und Werbefilm, besonders für die US-Army. Stets herrscht ein positiv soldatisches, steriles Ambiente, ganz ohne Schmutz, Schrecken und Tod, ganz wie es Militärrekruter gerne in der Öffentlichkeit darstellen. Der stete militärische Umgangston, die typische Auseinandersetzung zwischen den Gattungen (auf dem Flugzeugträger z. B. Navy vs. Army, als ein Army-Pilot den Flug nach Tschetschenien übernehmen soll) und dass die Ranger unzählige Rebellen mit Leichtigkeit töten, selber aber keine Verlust zu beklagen haben, außer durch hinterhältigen barbarischen Verrat – in Abgrenzung zum „ehrlichen“ amerikanischen Kampf. Eine Gefahr waren nur die beiden „Überlebenden“ (eine Rebellin und ein Kollaborateur) oder die russische Verschwörung, niemals aber das Gefecht, das die Amerikaner stets dominieren.
The Marksman trägt die militärische Komponente bereits im Titel und bleibt ein schlichter Actionfilm. Interessant sind das negative Russlandbild und die darin enthaltenen latenten Stereotypen, die in gewissen Kreisen in den USA durchaus prägend sind und die die Entwicklung der internationalen Politik zumindest fragmentarisch treffend prognostizieren. Letztlich ist der Film mit seiner klaren pro-amerikanischen Semiotik aber v. a. ein Rekrutierungsinstrument für das amerikanische Militär.
Sozialwissenschaftliche Kommentare, Analysen, Interpretationen und Essays zu Filmen/ Filmreihen und Serien, insbesondere Science-Fiction
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